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Commemoration WWII

„70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges“

Methodenseminar mit Volksbund-Beteiligung in Kursk

28. April 2016

Foto: Marina Ignatova, v.l.n.r. Jörg Schgalin
(Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge e.V.),
Marina Ignatova (Südwestliche
Staatliche Universität Kursk),
Julia Makarova (Zentrum für Patriotismus
und Kriegsgräbersuche Wolgograd),
na Janz (Volksbund), Michael Schukov
(Jugendagentur „Interaktiv“ Jaroslawl)

Vom 17. bis 22. April 2016 trafen sich etwa 50 Vertreter von Schulen, Jugendorganisationen und weiteren Bildungseinrichtungen aus Deutschland und Russland in der südwestlich von Moskau gelegenen Stadt Kursk. Die Veranstaltung fand unter dem Motto „70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges: Jugendaustausch, Verständigung, gemeinsame Zukunft“ statt. Der Ort Kursk wurde von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und dem Russischen Nationalen Koordinierungsbüro für den Jugendaustausch mit Deutschland (Международный молодёжный центр) bewusst gewählt: Hier fand im Sommer 1943 eine große Panzerschlacht statt; dabei verloren etwa 100.000 Soldaten auf deutscher und sowjetischer Seite ihr Leben. Vom Kriegsgeschehen in und um Kursk zeugen heute zahlreiche Panzergräben, Denkmäler, Museen und vor allem Friedhöfe für die gefallenen Soldaten.

Erinnerungskulturen im Vergleich

Erklärtes Ziel aller Teilnehmenden, darunter Nina Janz (Teamerin) und Jörg Schgalin (Bildungsreferent im Kompetenzcenter Internationale Jugendbegegnungen) vom Volksbund, war es, sich mit dem Schlachtfeld Kursk als Erinnerungsort gegen Krieg und Gewaltherrschaft vertraut zu machen und sich auch über Methoden der Vermittlung, des historisch-politischen Lernens auszutauschen. Deshalb stand im ersten Teil des Seminars die Beschäftigung mit den kollektiven Erinnerungsleistungen Russlands und Deutschlands an den Großen Vaterländischen Krieg bzw. den Zweiten Weltkrieg an. Exkursionen zu russischen und deutschen Erinnerungsorten in und um Kursk, z.B. das Historische Museum in Ponyri oder die deutsche Kriegsgräberstätte Kursk-Besedino, halfen den Seminaristen, die Erinnerungskulturen beider Länder besser kennen zu lernen.   

Exkurs: Die deutsche Kriegsgräberstätte Kursk-Besedino

Die deutsche Kriegsgräberstätte Kursk-Besedino ist ein Friedhof des Volksbundes, der Platz für bis zu 50.000 Gefallene und in Kriegsgefangenschaft verstorbene deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges aus den Gebieten Kursk, Orel, Woronesch, Tula und Belgorod bietet. Der Bau des Friedhofs Besedino wurde im Jahr 2006 begonnen. Im Oktober 2009 erfolgte die Einweihung. Noch immer finden Zubettungen statt. Auf der Kriegsgräberstätte fanden von 2007 bis 2012 Pflegeeinsätze durch Jugendliche im Rahmen von Volksbund-Workcamps statt. Besedino reiht sich damit als ein wichtiger Lernort in die Erinnerungslandschaft des Zweiten Weltkrieges in Osteuropa ein. Mehr Informationen zum Friedhof

Pädagogische Herausforderungen in Jugendbegegnungen

Im weiteren Seminarverlauf tauschten sich die Teilnehmenden auch über pädagogische Herausforderungen aus, denen 2-nationale Veranstaltungen mit einem inhaltlich-thematischen Bezug zum Zweiten Weltkrieg unterworfen sind. Festgestellt wurde u.a., dass der Begriff „Held“ unterschiedlich konnotiert ist. Während in Russland ein positives Bild, z.B. vom heldenhaft-agierenden Soldaten der Roten Armee existiert, ist der Terminus auf deutscher Seite, bedingt durch das Wissen um die nationalsozialistischen Verbrechen, negativ aufgeladen. Diesen Unterschied in einer Jugendbegegnung aufzugreifen, ist eine Notwendigkeit und zugleich eine große Chance der historisch-politischen Bildungsarbeit im deutsch-russischen Jugendaustausch.

Welche Erfahrungen und welche Methoden in der Friedenspädagogik existieren, dass konnten die Teilnehmenden eigenständig und in moderierter Form während des 4-tägigen Aufenthaltes in Kursk bestens erfahren. So stellten sich die Teilnehmenden persönliche, familiäre Erinnerungsgegenstände, z.B. Fotos, Urkunden und weitere Dokumente aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gegenseitig vor. Eine abschließend-moderierte Reflektion sensibilisierte alle Teilnehmenden für Chancen und Grenzen dieser Methode. Beispielsweise kann diese beim Vorstellenden aber auch Zuhörenden eine starke Emotion hervorrufen, die folglich eine Beruhigung des Betreffenden durch den Moderatoren und / oder die Gruppe bedingt.

Plattform für zukünftig Projektpartner

Das Seminar diente nicht nur dem Methodentraining sondern auch der Netzwerkarbeit und der Initiierung zukünftiger Austauschprogramme und Projekte. Die Vertreter des Volksbundes konnten sich dabei mit ihren Projektpartnern, wie z.B. mit Michail Schukov von der Jugendagentur „Interaktiv“ aus Jaroslawl (Jugendbegegnung Jaroslawl-Potsdam 2016), austauschen und weitere russische Bildungseinrichtungen für den zukünftigen Jugendaustausch an den Standorten Kursk und Wolgograd interessieren. 

Exkurs: „Looking for history – Geschichte(n) gesucht!“

„Looking for history – Geschichte(n) gesucht!“ so lautet der Titel dieser deutsch-russischen Jugendbegegnung, die in Jaroslavl beginnend über Moskau sowie Berlin führend nach Potsdam kommen wird. Der Volksbund und die russische Partnerorganisation Interaktiv aus Jaroslavl laden interessierte Jugendliche im Alter von 16 bis 24 Jahren zu dieser Reise ein. Gemeinsam möchten die Teilnehmenden der Frage nachgehen: Welche Bedeutung hat Geschichte, insbesondere die des Zweiten Weltkriegs / des Großen Vaterländischen Krieges, für mich? Die Veranstaltung findet im Zeitraum 17. bis 31. Juli 2016 statt. Weitere Informationen zur Begegnung 

Trotz des aktuell-angespannten deutsch-russischen Verhältnisses auf politischer Ebene, gilt es, den grenzüberschreitenden Dialog, den Jugendaustausch mit Russland als aktive Form der Verständigungs- und Friedensarbeit aufrecht zu erhalten und, wenn möglich, mit weiteren Projekten zu verstärken. Das Methodenseminar in Kursk ermutigte alle Akteure dazu. Wir bedanken uns recht herzlich bei den Veranstaltern! 

Eine russische Version diese Artikels finden Sie hier.

https://www.volksbund.de/jugend-bildung/meldungen/meldungen0/artikel/70-jahre-nach-ende-des-zweiten-weltkrieges.html

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